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Vom Parkhaus zum Park-Haus: Wo früher Autos parkten, findet künftig lebendiges Wohnen, Arbeiten und ein vielfältiges Miteinander statt. Eine gestapelte, urbane Landschaft im Zentrum der Hamburger Innenstadt – eine enorme Chance mit Vorbildcharakter!
Der Neubau, der in seiner Historie aus der geplanten Umnutzung des Parkhauses entstanden ist, ist viel mehr als nur die Konversion einer Bestandsstruktur, sondern ein zeitgemäßer Ausdruck des gesellschaftlichen und ökologischen Wandels.
Vom Parkhaus zur gestapelten Wohnlandschaft: aufbauend auf den Fundamenten des Bestandsgebäudes und unter Beibehaltung des Kellergeschosses und der aufgehenden Brandwände entstehen in Holzbauweise 90 Wohneinheiten mit Gemeinschaftsräumen, Gewerbeflächen und einem Café.

Vom Parkhaus zur gestapelten Wohnlandschaft: aufbauend auf den Fundamenten des Bestandsgebäudes und unter Beibehaltung des Kellergeschosses werden zwei Stahlbeton-Abfangdecken mit Stützen und Unterzügen errichtet. Die mehrgeschossigen Aufstockungen auf den Stahlbeton-Abfangdecken werden in massiver Holzskelettbauweise hergestellt. Das Gebäude teilt sich in zwei Teile, Haus A (Vorderhaus) und Haus B (Hinterhaus), in der Mitte, zwischen den beiden Häusern entsteht ein Hof, der Gröninger Hof. Im Hof bewegt man sich ringförmig über die beiden seitlich angeordneten Treppenhäuser auf den großzügigen Laubengängen. Die Treppenhäuser in Stahlbetonbauweise sind offen und bilden mit den Laubengängen ein ökonomisches und effizientes Erschließungskonzept. Die Wohnformen sind vielfältig, es gibt 1 bis 5-Personen-Wohnungen, Maisonette-Wohnungen und Clusterwohnungen für bis zu fünf Bewohner:innen. In den Geschossen sind verschiedene Gemeinschaftsräume für die Bewohner:innen angeordnet, auf dem Dach befindet sich ein großer Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse und Dachgarten. Das offene Erdgeschoss bindet den öffentlichen Straßenraum ein, heißt Besucher und Bewohner gleichermaßen willkommen. Der große, überdachte Eingangsbereich schafft durch die vielfältige Bespielbarkeit einen Mehrwert für das gesamte Quartier.

Jonas Bloch
Öffentliches Erdgeschoss: Café, Stadtwerkstatt und Gewerbenutzungen. — Credits: Jonas Bloch
Jonas Bloch
Der schönste Ort ist für alle da: Dachgarten, Kinderspielflächen und Gemeinschaftsräume mit Blick über die Hamburger Altstadt. — Credits: Jonas Bloch
Vom öffentlichen Erdgeschoss bis zum gemeinschaftlichen Dachgarten: ein neuer Quartiersbaustein entsteht.

Vom öffentlichen Erdgeschoss bis zum gemeinschaftlichen Dachgarten: ein neuer Quartiersbaustein entsteht.

Jonas Bloch
— Credits: Jonas Bloch
An der Straßenfassade werden vertikale und horizontale Aluminiumwellbleche in unterschiedlichen Tiefen und Grüntönen ineinander verwebt.

An der Straßenfassade werden vertikale und horizontale Aluminiumwellbleche in unterschiedlichen Tiefen und Grüntönen ineinander verwebt.

Die innenliegenden Hoffassaden erhalten eine vertikale Holzfassade, die Laubengänge verbinden die beiden Gebäudeteile horizontal umlaufend miteinander.

Die innenliegenden Hoffassaden erhalten eine vertikale Holzfassade, die Laubengänge verbinden die beiden Gebäudeteile horizontal umlaufend miteinander.

Jonas Bloch
Der Innenhof - Treffpunkt für die Nachbarschaft und Ort der Begegnung für die Bewohner:innen. — Credits: Jonas Bloch

Der Innenhof - Treffpunkt für die Nachbarschaft und Ort der Begegnung für die Bewohner:innen.

Die Genossenschaft Gröninger Hof eG wurde im Dezember 2018 gegründet und hat ihren Ausgangspunkt in der Initiative «Altstadt für Alle!», die sich für Orte in der Hamburger Innenstadt einsetzt, die den Austausch, die Begegnung und das Bürgerengagement im Stadtteil fördern. Die Gründung der Genossenschaft war direkt verbunden mit der Idee, das leerstehende Parkhaus, direkt gegenüber der St. Katharinenkirche, als neuen Stadtbaustein innovativ und gemeinwohlorientiert in ein neues Wohn- und Geschäftshaus umzuwandeln. Bei der Planung wurden folgende Grundsätze verfolgt: das Erstellen und Vermieten von preiswertem Wohn- und Gewerberaum, die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Kultur, die Förderung sozialer Durchmischung und gemeinschaftlicher Einrichtungen sowie die Förderung nachhaltiger Entwicklung.

Thomas Hampel
— Credits: Thomas Hampel
Genossenschaft Gröninger Hof eG
— Credits: Genossenschaft Gröninger Hof eG
Tobias Eineder
— Credits: Tobias Eineder

Während der Vorplanung haben wir gemeinsam mit der Genossenschaft Gröninger Hof, insgesamt fünf «Echoräume» zu den Themen Wohnen, Gemeinschaftsflächen, Gewerbeflächen und Außenraumanlagen organisiert. In diesen Echoräumen haben wir die Planung zu den jeweiligen Themen von uns vorgestellt und erläutert. Anschließend wurde in kleinen Gruppen diskutiert. Die Ideen und Anregungen der zukünftigen Bewohner:innen wurden mit in die weitere Planung aufgenommen.

Das siebengeschossige Parkhaus ist ein reiner Stahlbetonbau, 55m lang und 37m tief, 1964 in der Logik der Split-Level-Geschosse errichtet. Klar definiertes Ziel der Genossenschaft war es, in sinnvoller Weise soviel Bestand wie möglich zu erhalten.

Bei dem Ziel des Bestandserhalts ging es sowohl um die materiellen als auch die immateriellen Werte des Parkhauses. Es galt, die bereits in den 60er Jahren aufgewendeten Ressourcen sichtbar zu machen, die «graue Energie», die im bereits gebauten Beton vorhanden ist in „goldene Energie“, die wiederbelebt und neu genutzt wird, umzuwandeln. Gleichzeitig ging es darum, das Gebäude, das bereits Gebaute an sich zu würdigen, es, soweit möglich, umzuwandeln, sich seiner Potentiale bewusst zu werden, die Geschichte des Ortes fortzuschreiben. Die Konversion eines schon bestehenden Stadtbausteins aus der Zeit der autogerechten Stadt soll in unsere heutige Zeit überführt werden: vom Parkhaus zum Park + Haus.

Genossenschaft Gröninger Hof eG
— Credits: Genossenschaft Gröninger Hof eG
Genossenschaft Gröninger Hof eG
— Credits: Genossenschaft Gröninger Hof eG
Genossenschaft Gröninger Hof eG
— Credits: Genossenschaft Gröninger Hof eG

Die ursprüngliche Planung im Wettbewerb sah den Erhalt von zwei bis vier Geschossen des Parkhauses vor. Nach Erhalt der finalen Bestandsuntersuchung musste die Vorplanung angepasst werden, der Erhalt der oberen Geschosse konnte aufgrund der hohen Chloridgehalte nicht weiterverfolgt werden. Das Projekt wurde hierbei in seinen Grundstrukturen aber nicht verändert: schon im Wettbewerb war der Entwurf so angelegt worden, dass ein «weniger-Bestandserhalt» mit dem «mehr Neubau» im Laufe der weiteren Planungsphasen möglich sein konnte. Neben den schlechten Nachrichten zur Betonsubstanz gab es auch gute: das Kellergeschoss samt allen Fundamentplatten sowie die 297 jeweils 15m langen Stahlbetonpfähle sowie die rückwärtige, aufgehende Brandwand können erhalten bleiben. Das EU-Forschungsprojekt CIRUCuIT, welches das Projekt Gröninger Hof bis zur Leistungsphase 3 für eine Ökobilanzierung begleitet hat, hat zwei Szenarien gegenübergestellt: Das Szenario «Business-as-usual» mit einem kompletten Abriss des Parkhauses und das von der Genossenschaft geplante Szenario mit dem Erhalt des Kellergeschosses samt Fundamenten und einem Neubau in Holzbauweise. Dabei kam das
ausführende Büro e-hoch-3 zu einem für alle an der Planung Beteiligten überraschend positiven Ergebnis: 42% Co2 wird bei unserem geplanten Szenario gegenüber dem «Business-as-usual» eingespart werden – ein Erfolg.

Erhalt der Brandwand

Erhalt der Brandwand

Die tragenden Holzstützen und Holzunterzüge sowie die Holzdecken der Räume sind statisch auf Abbrand bemessen und bleiben in allen Räumen holzsichtig. Durch die Beibehaltung der aus dem Parkhaus kommenden „Splitlevel-Konstruktion“ liegen die sich gegenüberliegenden Geschosse nie auf einer Höhe, was spannende Ausblicke aus den Innenräumen über die umlaufenden Laubengänge in den Hof ermöglicht.

Kategorie Wohnen
Auftragsart 1. Preis Wettbewerb
Wohnungen 80
BGF 13’000 m²
Auftraggeberin Genossenschaft Gröninger Hof eG
Generalübernehmer Otto Wulff GmbH
Kosten baubüro.eins
Landschaftsarchitektur Rabe Landschaften
Tragwerksplanung WTM Engineers / Drewes + Speth
Gebäudetechnik Freie Ingenieure / SO Ingenieure
Elektroingenieur Jansen Elektroplanung / IGSplus
Schallschutz Lärmkontor / ILEB
Brandschutz Schlüter + Thomsen
Energieberatung KAplus
Bearbeitung 2021–2027
Visualisierung ©Jonas Bloch

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