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— Credits: © VIR.works

Im Zuge der IBA’27 StadtRegion Stuttgart soll auf dem Goldäcker-Areal am Ortsrand von Leinfelden-Echterdingen ein Quartier mit höchsten ökologisch-sozialen Ansprüchen entstehen.
Die neue Nachbarschaft ist als Vorzeigeprojekt einer nachhaltigen Gesellschaft konzipiert. Diese Besonderheit soll sich auch im architektonischen Ausdruck widerspiegeln: Nachhaltigkeit wird nicht appliziert, sondern als inhärenter Bestandteil der Architektur verstanden. Die Gebäude fungieren als kleine Kraftwerke – sie gewinnen ihre Energie aus Sonne und Erdwärme und nutzen Materialien aus vorherigen Bauprojekten. Das Ziel ist ein resilientes Quartier, das über einen möglichst langen Zeitraum flexibel nutzbar bleibt und sich an die Bedürfnisse künftiger Generationen anpassen kann.

Die Goldäcker - Landwirtschaft und Streuobstwiesen
Siedlungsrand - Körnung der Siedlungserweiterung der 1970er
Mitte - Platzsituation in der Echterdinger Stadtmitte

Die wesentlichen Leitgedanken des bestehenden Rahmenplans werden aufgenommen: die Verzahnung von Stadt und Landschaftsraum, die Ausbildung einer inneren Mitte sowie vermittelnde Gebäudehöhen im Übergang zum Bestand.

Durch leichte Ausdrehungen der sich wiederholenden Baukörper entstehen spannungsreiche Stadträume, die vom Landschaftsraum durchzogen werden. Diese offenen Strukturen schaffen klare Wegeführungen, die Besucherinnen und Besucher in das Quartier leiten und dabei stets neue Blickbeziehungen ermöglichen. Die polygonalen Strukturen der Nachbarschaft greifen die Formensprache der Umgebung auf und setzen sich in den Baufeldern fort. Dadurch entstehen sowohl bildhafte als auch materielle Bezüge zur Region – insbesondere durch die ikonischen Bilder der Streuobstwiesen, die das zukünftige Quartier prägen und identitätsstiftend wirken sollen.

Kompakte Gebäude mit Weitblick umschliessen die innere Mitte.
Höhenentwicklung und Körnung vermittelt zum Bestand
Dichte Begrünung durchfliesst das Quartier.

Das Freiraumkonzept begreift Offenflächen als wertvolle Ressource. Großflächige Wiesen mit differenzierter Pflegeintensität sichern diese Flächen langfristig und bilden zugleich ökologische Pufferzonen. Flächennutzungen werden ökologisch-ökonomisch gedacht und teilweise gestapelt: Mikrohabitate entstehen durch Naturmaterialien, Totholz, Kies- und Wasserlinsen. Bienen und weitere für die Artenvielfalt relevante Insekten sollen gezielt angesiedelt werden. Anstelle klassischer, aufwendiger Grünanlagen entsteht eine ökologisch wirksame Umgebung – ohne Rasenzwang, ohne dekorative Pflanzinszenierungen, ohne energieintensive Wasserspiele. Ein zentrales Element bildet das „Agrarwäldchen“: gemeinschaftlich genutzte Nutzgärten unter Nuss- und Beerensträuchern, die nicht nur zur Selbstversorgung, sondern auch zur Umweltbildung und sozialen Vernetzung dienen.

Landschaftsbilder werden würdigt unter Einbindung der Typologien der Umgebung
Der Freiraum wird als zusammenhängender Organismus verstanden, für Mensch und Tier - ohne Barrieren.
Gehölzraster bilden eine verbindende Struktur über die Baufelder hinweg. Der zentrale Nachbarschaftsplatz als informeller Spiel- und Treffpunkt fördert die Gemeinschaft.
Das Regenwasser wird flächenhaft versickert. Die natürliche Topografie bildet Einstaustufen

Eingriffe in den Boden sollen auf ein Minimum reduziert werden, um die Bodenstruktur zu erhalten und Massenbewegungen zu vermeiden. Leichte Modellierungen aus Aushubmaterial (z. B. aus Untergeschossen) sind denkbar – etwa als Schwellen für temporären Wasserrückhalt. Wege verlaufen leicht erhöht und entwässern seitlich in angrenzende Wiesensäume. Durch klar definierte, intensiv genutzte Zonen werden andere Flächen entlastet und geschützt. Notwendige Ausgleichsmaßnahmen für bauliche und infrastrukturelle Eingriffe werden direkt vor Ort umgesetzt.

Reduzierte Standards und Low-Tech bewirken einen geringeren Verbrauch. Großzügige Balkonschichten nach Süden und Westen dienen der Verschattung und als zusätzliches Zimmer in den Sommermonaten.

Die Gebäude werden auf einem minimalen Fußabdruck verdichtet organisiert, was trotz hoher Dichte eine gute Durchgrünung und Durchlüftung des Quartiers ermöglicht. Die versetzte Anordnung der Baukörper schafft abwechslungsreiche Außenräume und ermöglicht die Ausbildung von Über-Eck-Wohnungen. Diese bieten vielfältige Ausblicke – sowohl in das Quartier hinein als auch in die offene Landschaft – und steigern die Wohnqualität spürbar.

Stadt- und Landschaftsraum sind im neuen Quartier eng miteinander verzahnt.
Die Verfügbarkeit von Baustoffen wird zum Entwurfsgenerator. Baustoffe werden, wann immer möglich wiederverwendet eingesetzt. Ergänzt durch Baustoffe mit geringem CO2-Fußabdruck.

Die Verfügbarkeit von Baustoffen wird zum Entwurfsgenerator. Baustoffe werden, wann immer möglich wiederverwendet eingesetzt. Ergänzt durch Baustoffe mit geringem CO2-Fußabdruck.

reused materials kommen vor allem an den Fassaden und im Aussenraum zum Einsatz.

reused materials kommen vor allem an den Fassaden und im Aussenraum zum Einsatz.

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Die Gestaltung der Fassade verleiht dem Projekt einen sowohl vertrauten, als auch zukunftsweisenen Ausdruck. Die Materialien sind fein aufeinander abgestimmt: PV-Paneele mit strukturierten, eingefärbten Gläsern nehmen die Maserung und Farbe der anderen Fassadenmaterialien auf. Schiebeläden aus Streckmetall bieten Sonnen- und Sichtschutz für die Fenster.

Kategorie Wohnungsbau
Auftragsart Investorenwettbewerb auf Einladung, 1.Preis
Auftraggeberin Strenger Bauen und Wohnen GmbH
Landschaftsarchitektur SassGlässer Landschaftsarchitekten
Anzahl der WE 86 Stk
Grundstücksgröße 7.500 m2
BGF 12.508 m2
BRI 41.285 m3
Bearbeitung 2022 – 2023
Visualisierung VIR.works

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